Was wir zum Beispiel tun können.

Wir vergessen leicht, dass die Dinge des alltäglichen Lebens einmal Projektionen unserer menschlichen Einbildungskraft waren. Und das die Mühen, die ihre Herstellung gekostet haben, von der Wirkung, die diese Gegenstände für uns haben, bei weitem übertroffen wird. Sie sind vielleicht einmal aus einem negativen Gefühl entstanden, mit der Absicht Menschen zu schützen, z.B. vor dem Frieren in einem harten Winter oder vor dem Schmerz geschundener Hände. Und daraus ist ein wärmender Mantel geworden oder ein Werkzeug, dass unsere Muskelkraft um ein hundertfaches übertreffen kann. Werkzeuge und Dinge sollten immer um ein vielfaches mehr bewirken, als die Mühen der Herstellung gekostet haben – sonst hätte es keinen Sinn gemacht sie zu produzieren.

Und wir denken normalerweise nicht darüber nach, dass Dinge, die ein einzelner oder einige wenige Menschen produzieren sehr vielen anderen Menschen dienen können. Diesen wärmenden Dingen und schmerzende Arbeit übernehmenden Werkzeugen helfen anderen Menschen frei von Kälte und Schmerz neue Dinge zu schaffen, die wiederum anderen Menschen in Ihrem Sein oder bei ihren zu verrichtenden Tätigkeiten helfen. Die Herstellung von Dingen ist also schon immer ein zutiefst soziale Tätigkeit gewesen. Diese Dinge halfen uns von dem Wunsch nach Wärme zu entwickelteren Wünschen und Vorstellungen zu gelangen, die die Evolution unserer Zivilisation vorantreiben konnten. Die uns dabei unterstützten, menschlicher zu werden.

Wenn wir uns heute also über den Überfluss von Dingen in unserer Welt beklagen, dann könnten wir dabei vergessen, das die Schaffung von Überfluss berhaupt erst ermöglicht hat eine Kultur zu entwickeln in der uns nicht Hunger und Kälte die nächste Handlung diktiert. Und wenn wir die Vielzahl von sinnlosen, technischen Spielereien kritisieren, mit denen wir uns umgeben, dann sollten wir bedenken, dass es vielleicht gerade die kindliche Freude im Umgang mit diesen ist, die uns die Gelassenheit und Zuversicht gibt, die Hindernisse und Schwierigkeiten in unserem Leben leichter anzugehen.

Was wir aber wirklich jetzt beginnen müssen, ist die Wirkung und Haltbarkeit dieser Dinge im Verhältnis zum Verbrauch von Ressourcen und dem Einsatz menschlicher Arbeitskraft zu betrachten, der für die Herstellung notwendig war. Die oft menschenunwürdigen Arbeitsverhältnisse, unter denen sie entstehen, nicht weiter auszublenden. Die Quantität der Materialien und Energieaufwände im Verhältnis zur Lebensdauer der hergestellten Dinge zu beurteilen. Und uns mit grösster Intensität Gedanken zu machen, wie diese Materialien, wenn die Dinge einmal nicht mehr gebraucht werden oder kaputt gegangen sind, wieder in den Lebenszyklus eines anderen Dings überführt werden können. Und eben nicht achtlos weggeworfen, verbrannt, in der Erde vergraben oder in die Ozeane gekippt werden.

Und wenn wir den Verbrauch von Ressourcen und die Arbeitsverhältnisse endlich einigermassen überschauen, dann sollten wir beginnen mit diesem Wissen wieder ganz alltägliche Dinge herzustellen. Haushalts- und Einrichtungsgegenstände, die den Alltag verschönern und das tägliche Zusammensein mit anderen Menschen intensiver erleben lassen können. Werkzeuge und Apparate, die beim Wohnen und der Hausarbeit unterstützen, dabei eigene Energie, Kraft und Konzentration im Umgang mit ihnen einsparen. Die nur ein Mindestmass an Disziplin und Verständnis erfordern, anstatt Frustration, schlechtes Gewissen und Schuldgefühle zu verstärken.

17. October 2012 by oeg
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